Worum es bei der Entscheidung wirklich geht
Die Frage „Freelancer oder Agentur?“ klingt nach einer Entscheidung zwischen zwei Rechtsformen. Ist sie aber nicht. Du entscheidest dich für eine Arbeitsweise: Entweder arbeitet eine Person direkt in deinem Konto und redet direkt mit dir, oder ein Team arbeitet im Konto und ein Account Manager redet mit dir. Beides kann funktionieren. Beides kann schiefgehen.
Was in Österreich dazu kommt: Der Markt ist klein. Viele „Agenturen“ in Wien sind zwei bis fünf Leute, viele Freelancer haben ein festes Netzwerk für Design, Video und Landingpages. Die Grenzen sind fließender, als Preislisten vermuten lassen.
Nicht die Rechtsform entscheidet über deine Ergebnisse, sondern die Person, die jede Woche in deinem Konto arbeitet.
Der direkte Vergleich
Die Zahlen sind Bandbreiten aus dem österreichischen Markt, Stand Oktober 2026. Sie beziehen sich auf die laufende Betreuung, das Werbebudget, das an Google fließt, kommt immer dazu.
Kriterium
Freelancer
Agentur
Monatliche Betreuung (ohne Werbebudget)
500 bis 1.500 €
1.500 bis 5.000 €
Stundensatz
80 bis 150 €
120 bis 220 €
Vertragsbindung
flexibel, meist monatlich kündbar
meist 12-Monatsverträge
Ansprechpartner
die Person, die das Konto steuert
Account Manager, Umsetzung im Team
Reaktionszeit
meist am selben Tag
1 bis 3 Werktage, je nach Prozess
Kapazität
begrenzt, deshalb selektiv bei Kunden
skalierbar, mehrere Kanäle parallel
Ausfallrisiko
Urlaub oder Krankheit spürbar, Vertretung muss geregelt sein
Vertretung im Team
Kreation (Design, Video)
meist über Partner
häufig inhouse
Sinnvoll ab Werbebudget
ab ca. 1.000 € pro Monat
ab ca. 20.000 € pro Monat
Monatliche Betreuung (ohne Werbebudget)
500 bis 1.500 €
1.500 bis 5.000 €
Stundensatz
80 bis 150 €
120 bis 220 €
Vertragsbindung
flexibel, meist monatlich kündbar
meist 12-Monatsverträge
Ansprechpartner
die Person, die das Konto steuert
Account Manager, Umsetzung im Team
Reaktionszeit
meist am selben Tag
1 bis 3 Werktage, je nach Prozess
Kapazität
begrenzt, deshalb selektiv bei Kunden
skalierbar, mehrere Kanäle parallel
Ausfallrisiko
Urlaub oder Krankheit spürbar, Vertretung muss geregelt sein
Vertretung im Team
Kreation (Design, Video)
meist über Partner
häufig inhouse
Sinnvoll ab Werbebudget
ab ca. 1.000 € pro Monat
ab ca. 20.000 € pro Monat
Was die Zahlen für dich bedeuten
Rechne die Betreuung immer in Prozent deines Werbebudgets. Ein Beispiel mit 3.000 € Werbebudget im Monat: Ein Freelancer mit 800 € Betreuung kostet dich 27 Prozent obendrauf. Eine Agentur mit 1.800 € Pauschale kostet 60 Prozent obendrauf. Bei diesem Budget zahlst du bei der Agentur also mehr für die Betreuung als für die Hälfte deiner Klicks.
Ab etwa 20.000 € Werbebudget dreht sich das Bild. Eine Agenturpauschale von 2.400 € ist dann 12 Prozent, und du bekommst dafür Kapazität, die ein einzelner Freelancer nicht liefern kann, etwa parallele Kampagnen in mehreren Ländern, laufende Kreativproduktion und garantierte Vertretung.
Stundensätze als Orientierung: Junior-Freelancer in Österreich liegen bei 60 bis 90 €, erfahrene Freelancer mit Google-Partner-Status bei 100 bis 150 €. Agenturen rechnen 120 bis 220 € pro Stunde, weil Büro, Vertrieb und Projektmanagement mitbezahlt werden. Ein höherer Stundensatz ist nicht automatisch schlechter, wenn die Stunde mehr bewegt.
Viele Anbieter rechnen zusätzlich prozentual: 10 bis 20 Prozent vom Werbebudget, oft mit einer Mindestpauschale. Frag immer nach, was bei steigendem Budget passiert. Ein Modell, das mit deinem Budget wächst, ohne dass die Arbeit wächst, ist für dich schlecht.
Wann der Freelancer die bessere Wahl ist
Dein Werbebudget liegt unter 20.000 € im Monat. Die Agenturpauschale frisst sonst einen zu großen Teil deines Gesamtbudgets.
Google Ads ist dein Hauptkanal. Du brauchst Tiefe in einem Kanal, keine Breite über fünf Kanäle.
Du willst mit der Person sprechen, die im Konto arbeitet. Keine Übersetzungsschleife über einen Account Manager.
Du willst schnell entscheiden. Budget hoch, Kampagne pausieren, neue Zielgruppe testen: beim Freelancer passiert das am selben Tag.
Du willst flexibel bleiben. Freelancer arbeiten meist monatlich kündbar. Die 12-Monatsverträge, die bei Agenturen üblich sind, gibt es hier selten.
Wann die Agentur die bessere Wahl ist
Du brauchst mehrere Kanäle plus Kreation aus einer Hand. Google Ads, Meta, LinkedIn, Video, Landingpages, alles in einem Team.
Dein Werbebudget liegt über 20.000 € im Monat oder läuft in mehreren Ländern parallel.
Du hast Freigabeprozesse, Compliance oder Einkaufsrichtlinien, die einen Einzelunternehmer formal ausschließen.
Du brauchst garantierte Vertretung und kannst keinen Tag Stillstand riskieren, etwa im Saisongeschäft.
Du willst einen Pitch mit mehreren Anbietern. Agenturen sind darauf eingerichtet, Freelancer meist nicht.
Die Grauzone, in der die meisten Entscheidungen fallen
Dazwischen liegt der Großteil der österreichischen KMU. Werbebudget 3.000 bis 15.000 €, ein Hauptkanal, gelegentlich Design oder Video nötig, kein Konzern-Freigabeprozess. Für diese Unternehmen zählt vor allem, wie der Anbieter die typischen Freelancer-Schwächen abfängt.
Frag deshalb nach drei Dingen: Wer vertritt bei Urlaub und Krankheit? Wer macht Design und Video, wenn du es brauchst? Und wie viele Kunden betreut die Person parallel? Ein Freelancer mit geregelter Vertretung, festen Partnern für Kreation und maximal 10 bis 12 aktiven Kunden liefert dir das, was du von einer Agentur erwartest, zum halben Preis.
Checkliste: 8 Fragen fürs Erstgespräch
Diese Fragen funktionieren für Freelancer und Agenturen gleich. Die Antworten zeigen dir schnell, mit wem du es zu tun hast.
Wer arbeitet konkret in meinem Konto, und wie viele Konten betreut diese Person parallel?
Gehört das Google-Ads-Konto mir, und habe ich jederzeit vollen Zugriff auf Konto und Daten?
Wie lange ist die Kündigungsfrist, und was passiert mit Kampagnen und Daten nach dem Ende?
Was kostet die Betreuung in Prozent meines Werbebudgets, und wie verändert sich das, wenn das Budget steigt?
Woran wird Erfolg gemessen, und wer richtet das Conversion-Tracking ein?
Wie schnell bekomme ich eine Antwort, und wer vertritt bei Urlaub oder Krankheit?
Welche vergleichbaren Kunden gibt es, und welche Zahlen dürfen genannt werden?
Was passiert konkret in den ersten 30 Tagen?
Wer bei Frage 2 zögert, ist raus. Das Konto gehört immer dir. Wer bei Frage 7 keine einzige Zahl nennen kann, hat entweder keine Ergebnisse oder keine Erlaubnis, darüber zu sprechen. Beides solltest du wissen.
Klartext
Ich bin selbst Google Ads Freelancer in Wien, also bin ich in dieser Frage nicht neutral. Trotzdem schicke ich regelmäßig Anfragen zu Agenturen weiter, wenn jemand fünf Kanäle, Videoproduktion und ein Werbebudget im hohen fünfstelligen Bereich hat. Das wäre bei mir falsch aufgehoben, und das sage ich im Erstgespräch.
Umgekehrt sehe ich in Audits regelmäßig Konten, die 1.500 € Agenturpauschale bei 2.500 € Werbebudget zahlen und seit Monaten niemand angefasst hat. Das ist die Kombination, die du vermeiden willst: Agenturpreis, Freelancer-Risiko, ohne die Vorteile von beidem.
Fazit
Bis etwa 20.000 € Werbebudget im Monat und mit Google Ads als Hauptkanal ist ein erfahrener Freelancer meist die bessere Wahl: direkter, schneller, günstiger, flexibler, und das Konto bleibt deins. Darüber, oder sobald du mehrere Kanäle mit Kreation brauchst, spielt eine Agentur ihre Stärken aus. In beiden Fällen entscheidet nicht das Firmenschild, sondern die Person im Konto. Die acht Fragen oben zeigen dir innerhalb von 20 Minuten, ob die passt.